Neues aus London

London plant Superhighways für Radler, Radwege in alten U-Bahn-Tunneln, über den Zuggleisen und auf der Themse

15.03.2015

Modell eines Fahrradweges über den Gleisen. Foto: FosterModell eines Fahrradweges über den Gleisen. Foto: Foster

Fahrradfahren in London ist gefährlich: Es gibt nur wenige Radspuren auf den Straßen, oft sind sie sehr schmal , manchmal hören sie ganz plötzlich auf. Deshalb sausen auch fast nur junge Männer in spezieller Fahrradmontur durch London - oder Touristen auf Leihrädern, die nicht wissen, worauf sie sich da einlassen.

Das soll sich jetzt ändern. Bürgermeister Boris Johnson, der sich manchmal mit dem Fahrrad zur Arbeit kommt, will knapp eine Milliarde Pfund (1,35 Milliarden Euro) in neue breite Fahrradwege investieren. Im März soll mit dem Bau der "Cycling Superhighways" begonnen werden. Im Frühjahr 2016, zum Ende von Johnsons Amtszeit, sollen über 35 Kilometer Radweg von Osten nach Westen und von Norden nach Süden durch London führen.

Nicht alle sind von den Plänen begeistert. Taxifahrer, Busunternehmer und Ladenbesitzer befürchten mehr Staus, weil die Fahrbahnen verengt werden. Radfahrer-Organisationen drängen dagegen auf einen schnellen Baubeginn, denn jedes Jahr kommen Radler auf den Straßen und den unsicheren Radwegen ums Leben.

Das Gedränge nimmt zu auf Londons Straßen, denn die 8,6-Millionen-Stadt wächst und wächst. Schon in wenigen Jahren werden in der britischen Hauptstadt über 10 Millionen Menschen leben. "Wenn wir die Leute auf ihre Fahrräder bringen, verringert das den Druck auf den Straßen, in Bussen und Zügen", argumentiert Johnson. Der Fahrrad-Highway werde ebenso erfolgreich sein, wie die Innenstadt-Maut, die 2003 eingeführt wurde. Seitdem fahren pro Tag 70.000 Autos weniger ins Zentrum.

Nachdem er die Cycling-Superhighways gegen alle Widerstände durchgesetzt hat, liebäugelt Johnson bereits mit einem nächsten, sehr visionären Fahrrad-Projekt: Vor wenigen Tagen verlieh er den Preis für den "Besten Projektentwurf" an das Designer-Büro Gensler. Es hatte Pläne für eine unterirische Fußgänger- und Fahradstrecke vorgelegt. Diese "London Underline" soll in einem stillgelegten U-Bahn-Tunnel von Ost nach West unter dem Stadtzentrum verlaufen. Ein spezieller Bodenbelag könnte den Druck, der von Fahrrädern und Fußgängern auf den Boden ausgeübt wird, in Energie für die Beleuchtung des Tunnels umwandeln. Das Projekt soll durch Werbetafeln, Ausstellungen und das Vermieten von Verkaufsflächen im Untergrund finanziert werden. Gensler-Vize-Direktor Ian Mulcahey warb für sein Projekt: "Das Benutzen von überflüssigen U-Bahn-Tunneln ist ein schneller und einfacher Weg die Infrastruktur zu vergrößern."

Doch ganz so einfach ist es nicht. Kritiker sagen, der alte Tunnel sei nur schwer mit Frischluft zu versorgen. Außerdem sei er über die U-Bahn-Stationen Holborn und Green Park nur schwer zu erreichen. "Die Underline ist kein sinnvoller Weg, um die Straßen Stau-frei zu machen, sie ist in etwa so sinnvoll, wie jedem Londoner einen eigenen Mini-Zeppelin zur Verfügung zu stellen", ätzte Feargus O´Sullivan im Guardian.

Mindestens ebenso visionär, aber noch größer und teurer ist das Projekt "SkyCycle"des bekannten Architekten Norman Foster: Eine über 200 Kilometer lange Fahrradstrecke soll auf Stelzen oberhalb der Zuggleise verlaufen. "Indem wir die Fläche über den Zugstrecken ausnutzen, schaffen wir ein erstklassige, sichere und autofreie Fahrradwege", schwärmt Foster. Über mehr als 200 Rampen und Aufzüge könnten die Radler zur Schnellstrecke hinauf gelangen. Der Bau des ersten Teil der Strecke, 6,5 Kilometer über den Gleisen des Overground-Zuges von Stratford zur Liverpool Street Station würde 220 Millionen Pfund ( 300 Millionen Euro) kosten. Das wäre billiger als der Bau neuer Straßen oder Bahnstrecken, sagt Foster. Radfahrer-Organisationen sind von dem Plan nicht begeistert. Sie monieren, es sei zu mühsam über Rampen auf den Schnellweg zu gelangen.

Ein drittes Projekt klingt ebenso so gewagt: Der "Themse-Terrassenweg" des "River Cycleway Consortiums" soll auf dem Wasser aufliegen und mindestens 15 Kilometer lang werden. Der Bau würde etwa 600 Millionen Pfund (800 Millionen Euro) kosten. Fahrradfahrer und Fußgänger sollten für das Benutzen des Terrassenwegs 1.50 Pfund (zwei Euro) bezahlen, schlägt das Konsortium vor. Die Londoner Hafenbehörde hat bereits Bedenken angemeldet: Der Terrassenweg würde den Raum für den Schiffsverkehr zu sehr einschränken.

Trotzdem ist Boris Johnson auch diesem Projekt nicht abgeneigt. Er sagte vor kurzem: "Wir sollten Großbritannien in ein großes, großes Fahrrad-Land verwandeln, viel Geld investieren und ein Nationales Netzwerk von Fahrradrouten schaffen". Ein solches Netzwerk, es heißt Sustrans, gibt es allerdings schon seit vielen Jahren.

 

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Tina Stadlmayer / Diplom-JournalistinTina Stadlmayer RSS Feed Tina Stadlmayer auf Twitter

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