Neues aus London

Suffragette - ein toller Film über den Kampf ums Frauenwahlrecht

26.01.2016
Das Filmplakat zu Suffragette mit Helena Bonham-Carter, Carey Muligan und Meryl Streep. Foto: Tina Stadlmayer
 Helena Bonham-Carter, Carey Muligan und Meryl Streep


Vor der Premiere des Films "Suffragette - The Time is now" Anfang Oktober am Londoner Leicester Square legten sich 14 Feministinnen der Organisation Sisters Uncut auf den Roten Teppich. Sie protestierten nicht gegen den Film, sondern für mehr Unterstützung für die Opfer häuslicher Gewalt. "Wenn die Suffragetten heute leben würden, hätten sie uns unterstützt", sagte Aktivistin Sarah Kwei. Einige Meter weiter solidarisierten sich die Hauptdarstellerinnen des Films mit den Demonstrantinnen. Helena Bonham Carter, die im Film eine Sprengstoff mixende Apothekerin spielt, sagte: "Ich freue mich, dass der Film etwas bewirkt." Die Proteste gegen die Kürzungen im Sozialbereich seien "genau die richtige Reaktion."


Der Film zeigt den Kampf der Suffragetten in London im Jahr 1912. Nachdem sie sich jahrzehntelang friedlich für das Frauenwahlrecht (englisch: suffrage), Gleichberechtigung und bessere Arbeits- und Lebensbedingungen eingesetzt hatten, waren sie militant geworden. Sie zertrümmerten Fensterscheiben und zündeten das leerstehende Haus eines Politikers an. Sie wurden von der Polizei gejagt, verhaftet und gefoltert. Das alles zeigt der Film nicht aus der Perspektive bekannter Suffragetten wie Emmeline Pankhurst, sondern aus der Sicht der jungen Wäscherin Maud. Sie ist zunächst völlig unpolitisch, lässt sich von einer Freundin von der Notwendigkeit des Kampfes überzeugen und zahlt dafür einen hohen Preis. Carey Mulligan spielt die Rolle der Maud sehr überzeugend, ihren Hass auf den  ausbeuterischen Chef, ihre Seelenqual als sie erkennt, dass sie sich zwischen ihrer Familie und dem Kampf der Suffragetten entscheiden muss und ihre Begeisterung für die immer stärker werdende Frauenbewegung.


Der Film zeigt das harte Leben der Arbeiterinnen und die grausamen Strafen für die verhafteten Suffragetten schonungslos. Ohne kitschig zu werden würdigt er aber auch das Zusammenstehen und die Freundschaften unter den Frauen. Immer wieder drängen sich die Vergleiche zu heute auf: Das Frauenwahlrecht gibt es inzwischen in den meisten Ländern, aber gleicher Lohn für gleiche Arbeit und dieselben Aufstiegschancen für Frauen und Männer sind immer noch nicht erreicht. In diktatorisch regierten Ländern riskiert auch heute noch sein Leben, wer sich für Demokratie und Gleichberechtigung einsetzt.

 

Sechs Historikerinnen berieten das Film-Team 

 

Obwohl die Geschichte der Maud erfunden ist, legten die Macherinnen des Films viel Wert auf historische Genauigkeit. Die Rede von Emmeline Pankhurst und der Tod von Emily Wilding Davison Davison, die sich vor den Augen des Königs vor ein Rennpferd warf, haben wohl genau so stattgefunden. Am Ende des Films sind die ergreifenden Orginalaufnahmen des zur Demonstration für das Frauenwahlrecht umgewidmeten Trauerzugs für Emily Wilding Davison zu sehen. Es folgt die lange Liste der Länder, die erst in jüngster Zeit das Frauenwahlrecht eingeführt haben: Schweiz: 1971, Liechtenstein: 1984, Bahrein: 2002, Kuwait: 2006, Saudi-Arabien: 2015.


Es war eine gute Idee von Drehbuchautorin Abi Morgan, den Kampf aus der Sicht einer zunächst unpolitischen Wäscherin zu schildern, denn es ist einfacher sich mit ihr zu identifizieren, als mit der charismatischen Aktivistin Emmeline Pankhurst. Eine der sechs historischen Beraterinnen des Film-Teams, Professorin June Purvis, berichtete nach der Filmpremiere: "Vor allem männliche Historiker haben die Suffragetten bislang als wild gewordene Mittelschicht-Frauen dargestellt." Schauspielerin Meryl Streep, die im Film einen kurzen Auftritt als Emmeline Pankhurst hat, ergänzte: "Diese Bewegung hat die Regierung deshalb so sehr beunruhigt, weil sie nicht auf eine Schicht beschränkt war."


Hauptdarstellerin Carey Mulligan schilderte in mehreren Interviews vor der Premiere, wie aktuell der Kampf der Suffragetten heute noch ist. Frauen würden in vielen Bereichen, auch in der Filmbranche, deutlich schlechter bezahlt als Männer. Sie sei in den vergangenen Wochen immer wieder gefragt worden, ob sie sich als Feministin verstehe. "Ich bin stolz darauf, eine Feministin zu sei", lautete ihre Antwort. Sie sei sich allerdings nicht sicher, sagt Carey Mulligan, ob sie sich in einer vergleichbaren Situation ebenso mutig verhalten würde, wie die Wäscherin Maud, die sie im Film spielt.
Meryl Streep antwortete dagegen ausweichend auf die Frage, ob sie Feministin sei: "Ich bin Humanistin und für eine schöne, leichte Ausgewogenheit". Doch die kämpferische Schauspielerin setzt sich aber aktiv für eine Besserstellung von Frauen in der Filmindustrie ein. Über die Suffragetten sagte sie "Sie waren mutig, unerbittlich, rechtschaffen und außerdem hatten sie Recht."

 

Farbige Suffragetten kommen im Film nicht vor

 

Nicht nur die Hauptfiguren in Suffragette sind weiblich, sondern auch die Macherinnen: Regisseurin ist Sarah Gavron (Brick Lane), Drehbuchautorin Abi Morgan (Die eiserne Lady) und die Produzentinnen sind Alison Owen und Faye Ward. Trotzdem gab es Kritik von Frauenseite. Das Internetportal afterellen.com warf dem Film vor, dass er lesbische Beziehungen unter den Suffragetten verschweige. Aktivistin Sarah Kwei, die an der Demo vor der Premiere beteiligt war, monierte, dass ausschließlich weiße Schauspielerinnen auftreten und die Erfolge farbiger Suffragetten nicht dargestellt würden. Kwei findet auch das Zitat von Emmeline Pankhurst daneben. Es prangt auf  den Promotion-T-Shirts für den Film und lautet "I´d rather be a rebel than a slave".  Solch ein Spruch auf einem T-Shirt verharmlose die Sklaverei, sagt die Aktivistin.


In Deutschland wird der Film am 4. Februar in die Kinos kommen. Der deutsche Titel lautet: Suffragette - Taten statt Worte. Der offizielle Trailer ist hier.

 

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