Neues aus London

Tierisch entspannt: In London gibt es jetzt Yoga mit Hunden

26.02.2016

 

Der kleine weisse Schosshund Milo ist total aufgeregt und hört gar nicht mehr auf zu bellen, denn es sind noch drei weitere Vierbeiner da, mit denen er spielen mag. Die Hunde und ihre Halterinnen haben sich aber nicht zur Spielstunde getroffen, sondern zum «Dog Yoga», genannt Doga.

Milos Besitzerin Caroline ist nervös, weil ihr Hund so viel bellt. Mahny Djahanguiri, die Pionierin dieser ungewöhnlichen Sportart, versucht, sie zu beruhigen: «Das macht gar nichts. Beim Doga lassen wir den Hunden ihre Freiheit. Wir machen nicht Yoga für Hunde, sondern Yoga mit den Hunden.» Die 42jährige Schweizerin lebt in London und bietet dort seit drei Jahren Doga-Kurse an. Das Interesse ist gross. Zwischen fünf und zehn Yoga-Interessierte nehmen mit ihren Hunden an jeder Stunde teil.

Hunde spüren die Entspannung

Der heutige Kurs findet in einem Freizeitheim im hippen Nord-Londoner Stadtteil Camden statt. Auf dem nackten Betonboden liegen sechs Yogamatten. Erwartungsvoll haben sich fünf Frauen – alle Doga-Anfängerinnen – darauf niedergelassen. Ihre Lieblinge wieseln aufgeregt herum: «Wir lassen die Hunde jetzt eine Weile lang machen, was sie wollen, und konzentrieren uns auf unseren Atem», weist Mahny Djahanguiri die Teilnehmerinnen an. «Die Hunde spüren, wenn wir ruhig und entspannt sind.» Und tatsächlich: Während die Frauen ihre Atemübungen machen, werden die Hunde ruhiger und kuscheln sich an ihre Besitzerinnen.

Der zweite Teil der Stunde ist dann etwas anspruchsvoller: Mahny Djahanguiri beugt sich nach vorne, streichelt ihren weissen Malteser-Terrier Robbie, nimmt ihn auf den Arm und schaukelt ihn hin und her. Robbie geniesst es sichtlich. Als die Schweizerin die nächste Übung vormachen will, hat sie plötzlich nicht nur Robbie auf dem Arm – auch Coco, der schwarze Cocker-Pudel, will zu ihr hoch. Die Yogalehrerin nimmt es gelassen und lacht. Es folgt die «Krieger-Stellung» mit einem gebeugten und einem gestreckten Bein und dem Hund in der Hand. Sogar den «Baum» schaffen fast alle Teilnehmerinnen: Sie stehen auf einem Bein und halten ihren Hund auf der Hüfte.

Die Idee hatte sie am Strand

«Das Geheimnis beim Doga ist dasselbe wie beim Yoga» sagt die Schweizerin: «Wir erzwingen nichts, sondern lassen es geschehen.» Wie kam Mahny Djahanguiri auf die Idee, Yoga mit Hunden anzubieten? «Ich war am Strand und sah Menschen Yoga-Übungen machen, während ihre Hunde um sie herumtollten», erzählt die blonde Frau mit der athletischen Figur: «Da hatte ich den Einfall, dass man die Hunde an den Übungen teilnehmen lassen könnte.»

Djahanguiri ist seit 15 Jahren Yoga-Lehrerin. Sie hat viele Jahre lang Yogakurse für traumatisierte Kinder gegeben. Diese Erfahrung half ihr, Doga zu entwickeln. «Hunde sind genauso vertrauensvoll und sensibel wie Kinder.»

Mahny Djahanguiri wurde 1973 in Zürich geboren und hat dort ihre Kindheit und Jugend verbracht. «Die Berge vermisse ich immer noch. Am liebsten würde ich als Doga-Lehrerin in der Schweiz arbeiten», sagt die selbstbewusste Frau mit einem Anflug von Wehmut. Ihr Vater ist ein aus dem Iran stammender Schweizer, ihre Mutter Britin. Als Mahny Djahanguiri 20 Jahre alt war, zog die junge Frau nach London, machte dort eine Ausbildung zur Schauspielerin und Sängerin und qualifizierte sich als Yogalehrerin. Als sie die Idee hatte, Yogakurse mit Hunden anzubieten, hatte sie noch nicht einmal einen eigenen Vierbeiner. Robbie, ihren vier Jahre alten, inzwischen absolut erfahrenen und verlässlichen Doga-Hund, kaufte sie einer arabischen Familie ab, die ihn im Internet erstanden hatte und nicht mehr haben wollte.

Robbie scheint den Doga-Kurs zu geniessen. «Wenn wir mit unseren Hunden zusammen diese Übungen machen, entsteht eine enge Verbundenheit», erläutert Djahanguiri: «Nicht nur die Menschen, auch die Hund finden neue Kraft.» Das bestätigt sich am Ende des Kurses: Während die Teilnehmerinnen am Boden liegen und sich zu indischer Musik entspannen, fetzen die Hunde schon wieder hin und her. «Sie sind wie die Kinder, die fingen auch immer sofort nach der Klasse zu toben an.»

Der kleine weisse Schosshund Milo kullert mit Robbie über den Boden. Seine Besitzerin Caroline sagt: «Am Anfang konnte ich nicht entspannen, weil Milo gebellt hat, aber dann wurde es besser.» Sie will wieder- kommen: «Er wird sich schon daran gewöhnen.»

Buchtippp: Mahny Djahanguri, Doga - Yoga for you an your dog, hamlyn, 2015

 

 

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Tina Stadlmayer / Diplom-JournalistinTina Stadlmayer RSS Feed Tina Stadlmayer auf Twitter

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